rem – Reiss-Engelhorn-Museen

Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim
19. September 2010
bis 20. Februar 2011

Ausstellung der Länder
Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz
und Hessen

 
Die Staufer und Italien
Friedrich II.
Friedrich II.

Wer war eigentlich …? – Fragen und Antworten zu den Staufern

Friedrich II. (1212–1250)

Wer war eigentlich Kaiser Friedrich II. und wie kam er an die Macht?

Friedrich II. war früh zur Macht im Reich bestimmt, sein Weg dorthin gestaltete sich aber langwierig. Ein Tag vor seinem zweiten Geburtstag war er 1196 von den Reichsfürsten bereits zum Mitkönig seines Vaters, Kaiser Heinrichs VI. gewählt worden. Als dieser kurz darauf verstarb, konnte die Herrschaft für den gerade Zweijährigen aber nicht durchgesetzt werden. Sein Onkel König Philipp von Schwaben wahrte stattdessen den staufischen Thronanspruch, um den er mit dem Welfen Otto IV. streiten musste. Friedrich II. wuchs im Königreich Sizilien auf, das er seit 1198 zunächst unter der Vormundschaft verschiedener Adliger, und ab 1208 selbständig regierte. Nachdem König Philipp ermordet und Otto IV. gebannt war, wurde Friedrich II. im Sommer 1211 auf Betreiben des Papstes von einem anti-welfisch gesinnten Kreis süd- und mitteldeutscher Fürsten in Nürnberg in Abwesenheit zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Im März 1212 brach Friedrich II. von Sizilien aus ins Reich auf, um dort die Herrschaft anzutreten. Im Dezember 1212 wurde er nochmals in Frankfurt gewählt und in Mainz mit nachgebildeten Insignien gekrönt. Der echte Kronschatz befand sich noch in den Händen der Welfen. Die Entscheidung im Thronstreit fiel schließlich im Sieg des französischen Königs Philipp II. August über Otto IV. und seine englischen Verbündeten in der Schlacht von Bouvines im Juni 1214. Am 25. Juli 1215 ließ sich Friedrich II. schließlich nochmals in Aachen mit den echten Insignien krönen.

Gab es denn für den erwachsenen Friedrich II. weitere „italienische Momente“?

Die Frage müsste besser lauten: Gab es denn Momente nördlich der Alpen? Denn Friedrich II. betrachtete das deutschsprachige Territorium kaum als vorrangiges Handlungsfeld. Bereits 1220 brach er wieder nach Italien auf, nachdem er seinen unmündigen, zum König gekrönten Sohn Heinrich (VII.) unter erzbischöflicher Obhut als seinen Stellvertreter im Reich zurück gelassen hatte.

Ins Zentrum der Politik traten der zielstrebige Herrschaftsaufbau im Königreich Sizilien, Auseinandersetzungen mit dem Papsttum und neue Konflikte mit den oberitalienischen Städten. In der Durchsetzung seiner Ansprüche setze Friedrich II. auf eine demonstrative kaiserliche Repräsentationskultur im Stile der römischen Cäsaren.

An welche Höhepunkte seiner Herrschaft erinnern wir uns heute noch?

Als einziger mittelalterlicher Herrscher konnte Friedrich II. im März 1229 ein Schreiben ausstellen, das als Datierung angibt, „gegeben in der Heiligen Stadt Jerusalem“. Obwohl er unter päpstlichem Bann stand, war er 1228 zum fünften Kreuzzug aufgebrochen. In fünfmonatigen Verhandlungen mit Sultan al-Kamil von Kairo erwirkte er einen Friedensvertrag, der die christliche Hoheit über weite Teile Jerusalems festlegte. Am 18. März 1229 setzte sich Friedrich dann in der Grabeskirche die Krone des Königreichs Jerusalem selbst aufs Haupt.

Und wie endete seine Ära?

Die letzten Jahre Friedrichs II. waren von vielen Wirrungen begleitet.

Im Jahr 1245 hatte der Papst den Kaiser wegen Untreue als Lehnsmann, Friedensbruch, Gotteslästerung und Häresie für abgesetzt erklärt. Obwohl Friedrichs Sohn Konrad IV. im Reich seit 1237 regierte, wurde daraufhin Heinrich Raspe als neuer König gewählt, der aber schon bald darauf verstarb und dem Wilhelm von Holland nachfolgte. In Italien musste der Kaiser gegen aufständische Städte militärisch vorgehen und sich um einen Ausgleich mit  Papst Innozenz IV. bemühen. Auf dem Weg zur päpstlichen Residenz in Lyon  erkrankte Friedrich II. in Castel Fiorentino in Apulien so schwer, dass er am 13. Dezember 1250 mit 55 Jahren verstarb.

Welche Anekdoten werden über Kaiser Friedrich II. erzählt?

Aus der Vielzahl an Anekdoten die spannendste auszuwählen, ist gar nicht so leicht. Interessant ist sicherlich die Geschichte, wie er auf die Welt gekommen sei: Von Friedrichs Geburt wurde erzählt, dass diese ganz demonstrativ öffentlich auf dem Marktplatz von Jesi geschehen sei, um die Gebärfähigkeit seiner 40-jährigen Mutter zu beweisen, die einen echten Nachkommen und kein untergeschobenes Kind zur Welt bringen sollte.

 

Darstellung Friedrichs II.

aus: Chronica Sancti Pantaleonis, Köln, Kloster St. Pantaleon, um 1237, Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 74.3 Aug. 2°.