rem – Reiss-Engelhorn-Museen

Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim
19. September 2010
bis 20. Februar 2011

Ausstellung der Länder
Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz
und Hessen

 
Die Staufer und Italien
Philipp von Schwaben
Philipp von Schwaben

Wer war eigentlich …? – Fragen und Antworten zu den Staufern

Philipp von Schwaben (1198–1208)

Wer war eigentlich König Philipp von Schwaben und wie kam er an die Macht?

Philipp von Schwaben war einer von drei Kandidaten, die nach dem Tode Heinrichs VI. als Nachfolger in Frage kamen. Friedrich II., der minderjährige Sohn des verstorbenen Kaisers, war bereits zum König gewählt worden. Mit dem Welfen Otto IV. beanspruchte der Sohn Heinrichs des Löwen und Neffe des englischen Königs Richard Löwenherz ebenfalls die Herrschaft im Reich. Philipp von Schwaben wiederum, der Bruder Kaiser Heinrichs VI. und Onkel des kleinen Friedrichs II., sah sich zunächst als Sachwalter seines Neffen und versuchte, den Zweijährigen aus Süditalien nach Aachen zur Krönung zu bringen. Ein Aufstand in Mittelitalien machte das Vorhaben zunichte. Philipp kehrte unverrichteter Dinge zurück und ließ sich schließlich widerstrebend selbst zum König erheben. Seiner Wahl haftete der Makel an, dass die drei rheinischen Erzbischöfe nicht daran beteiligt waren. Gekrönt wurde Philipp zwar unter Verwendung der echten Reichsinsignien, aber nicht am rechten Ort Aachen und auch nicht wie üblich vom Kölner Erzbischof sondern von einem burgundischen Geistlichen. Der Kölner krönte stattdessen Otto IV. in Aachen zum (Gegen-)König, allerdings mit nachgeahmten Insignien.

Gab es denn außer der gescheiterten Aktion, den kleinen Friedrich II. ins Reich zu holen, weitere „italienische Momente“?

Ja, allerdings spielte Italien als Schauplatz für Philipp von Schwaben vor seiner Krönung eine größere Rolle als in der Zeit, in der er das Reich regierte. Im Gefolge seines kaiserlichen Bruders hatte er an Heinrichs VI. Italienzügen teilgenommen. Zu Ostern 1195 wurde er von ihm in Bari zum Herzog von Tuszien, also der Toskana, erhoben. Wir wissen nicht, welche Maßnahmen er dort zur Durchsetzung seiner Herrschaft ergriff. Sein Vorgehen sorgte jedenfalls dafür, dass er vom Papst Coelestin III. exkommuniziert wurde.

An welche Höhepunkte seiner Herrschaft erinnern wir uns heute noch?

Philipps gesamte Herrschaftszeit war geprägt vom Thronstreit mit Otto IV. Zwei gekrönte Herrscher standen sich seit 1198 im Reich gegenüber. Beide Seiten versuchten, Unterstützer und Anhänger zu gewinnen, indem sie finanzielle Leistungen erbrachten, Versprechungen erteilten, Rangerhöhungen in Aussicht stellten und Ehebündnisse schlossen. Nachdem Richard Löwenherz, der Unterstützer Ottos IV., im April 1199 verstorben war, verbesserte sich die Lage Philipps. Nach und nach traten wichtige geistliche und weltliche Fürsten zu seiner Seite über. 1204 folgte die allgemeine Anerkennung Philipps, nachdem der Kölner Erzbischof zu seiner Seite übergetreten war.

 

Und wie endete seine Ära?

Philipps Ära endete ganz plötzlich. Gerade, als er im Reich die Oberhand über Otto IV. gewonnen hatte und schon mit Papst Innozenz III. über die Kaiserkrönung verhandelte, wurde er am 21. Juni 1208 in Bamberg von Pfalzgraf Otto von Wittelsbach ermordet. Über die Tatmotive ist letztlich keine Klarheit zu gewinnen. Es wurde vermutet, der heimtückische Mord sei aus Enttäuschung über eine in Aussicht gestellte und nicht zu Stande gekommene Ehe mit einer Tochter Philipps zu Stande gekommen. Für eine angebliche Verschwörung unter Beteiligung der Andechs-Meranier und des Landgrafen von Thüringen gibt es wenig Beweise. König Philipp wurde zunächst im Bamberger Dom bestattet und erst später in den Dom zu Speyer überführt. Nachdem überraschenden Tod des Konkurrenten konnte sich Otto IV. im Reich durchsetzen.

Welche Anekdoten werden über König Philipp erzählt?

Bis heute ist das Tatmotiv Ottos von Wittelsbach für den Mord an Philipp von Schwaben nicht gänzlich geklärt. Schon rasch nach dem Königsmord wurden Geschichten über den Tathergang weitergetragen.Demnach soll Philipp dem Pfalzgrafen vertrauensselig Einlass in sein Gemach gewährt haben und selbst als dieser, wie zum Spaß, das Schwert gezückt habe, habe der König ihn zunächst nur aufgefordert, die Waffe wieder niederzulegen. Bei sich bietender Gelegenheit habe Otto Philipp dann an der Halsschlagader verwundet und sei unmittelbar daufhin geflohen.

 

Darstellung Philipps

aus: Chronica Sancti Pantaleonis, Köln, Kloster St. Pantaleon, um 1237, Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 74.3 Aug. 2°.