rem – Reiss-Engelhorn-Museen

Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim
19. September 2010
bis 20. Februar 2011

Ausstellung der Länder
Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz
und Hessen

 
Die Staufer und Italien
Konradin
Konradin

Wer war eigentlich …? – Fragen und Antworten zu den Staufern

Konradin (1254–1268)

Wer war eigentlich Konradin und wie kam er an die Macht?

Rein theoretisch war Konradin bereits in jungen Jahren ein mächtiger Mann. 1254, gerade mal zwei Jahre nach seiner Geburt, wurde der letzte legitime männliche Erbe der Staufer zum Herzog von Schwaben erhoben. Er hatte von seinem Vater, Konrad IV., den Titel des Königs von Jerusalem geerbt und galt als König von Sizilien. Dieses italienische Erbe wurde durch seinen Onkel Manfred verwaltet, der sich allerdings 1258 selbst zum König von Sizilien krönen ließ.

Nördlich der Alpen bestand für den minderjährigen Konradin keine Chance, die einstige staufische Macht wieder herzustellen. 1257 wurde dort der englische Graf Richard von Cornwall zum König gewählt.

Gab es denn außer der theoretischen Herrschaft über das Königreich Sizilien weitere „italienische Momente“?

Ja, nachdem sein Onkel Manfred 1266 in der Schlacht bei Bennevent gegen Karl von Anjou gefallen war, versuchte der inzwischen fünfzehnjährige Konradin ab September 1267 sein Erbreich Sizilien zurück zu erobern.

Sein Heer brach von Augsburg aus auf und gelangte über Verona nach Pavia und Pisa. Daraufhin bannte der Papst ihn, entzog ihm das Königreich Jerusalem und setzte Karl von Anjou als Verwalter der Toskana ein.

An welche Höhepunkte seiner Herrschaft erinnern wir uns heute noch?

Richtig große Höhepunkte wird man vergeblich suchen. Aber immerhin: Obwohl Konradins Lage nicht besonders aussichtsreich war, gelang ihm noch ein kleiner Erfolg. Er konnte eine Übereinkunft mit dem Senator von Rom, Heinrich von Kastilien, schließen, die ihm am 24. Juli 1268 den Einzug in Rom ermöglichte. Dort wurde zum Weitermarsch nach Lucera gerüstet.

Und wie endete seine Ära?

Konradins Ende war noch tragischer als das seines Onkels Manfred. Wie dieser unterlag er Karl von Anjou in einer Entscheidungsschlacht. Sein Heer wurde am 23. August 1268 bei Tagliacozzo geschlagen. Konradin konnte zwar zunächst fliehen. Er wurde aber aufgegriffen und an Karl von Anjou ausgeliefert. Dieser ließ Konradin nach einem Scheinprozess zusammen mit weiteren Begleitern 29. Oktober 1268 in Neapel öffentlich enthaupten.

Welche Anekdoten werden bis heute über Konradin erzählt?

Besonders beschäftigt die Menschen seit jeher das tragische Ende des letzten Staufers. Der Hergang der Hinrichtung wurde im Laufe der Zeit immer mehr ausgeschmückt. Seit dem 14. Jahrhundert wird folgende Begebenheit berichtet: Ein Adler, das Symboltier des staufischen Kaisertums, schoss, aufgebracht über die brutale Enthauptung Konradins, in schnellem Flug aus der Höhe an den Ort des Geschehens. Vor den Augen des umstehenden Volkes zog der Adler seinen rechten Flügel durch die Lache mit Konradins Blut und schwang sich blutbefleckt wiederum in die Höhe.

 

 

Darstellung Konradins

aus: Große Heidelberger Liederhandschrift Cod. Pal. germ. 848, 7r (Codex Manesse), Universitätsbibliothek Heidelberg.