rem – Reiss-Engelhorn-Museen

Reiss-Engelhorn-Museen
Mannheim
19. September 2010
bis 20. Februar 2011

Ausstellung der Länder
Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz
und Hessen

 
Die Staufer und Italien
Heinrich VI.
Heinrich VI.

Wer war eigentlich …? – Fragen und Antworten zu den Staufern

Heinrich VI. (1190–1197)

Wer war eigentlich Kaiser Heinrich VI. und wie kam er an die Macht?

Heinrich VI. nahm bereits sehr früh Anteil am politischen Leben. Schon als Vierjähriger wurde er im Juni 1169 zum Mitkönig seines Vaters, Friedrich I. Barbarossa, gewählt. Neunjährig begleitete Heinrich den Vater auf dessen fünften Italienzug. Der internationalen Öffentlichkeit wurde der junge König anlässlich seiner Ritterweihe auf dem Mainzer Hoffest 1184 präsentiert. Zwei Jahre später fand in Mailand seine Hochzeit mit der elf Jahre älteren Konstanze statt, der Tochter des Normannenkönigs Roger II. von Sizilien und Erbin des letzten Normannenherrschers Wilhelm II. Im Zusammenhang mit dieser Eheschließung wurde Heinrich mit der eisernen Krone der Langobarden gekrönt. Als Friedrich I. Barbarossa 1189 zum Dritten Kreuzzug aufbrach, von dem er nicht zurückkommen sollte, übertrug er Heinrich VI. die Reichsregierung. Im gleichen Jahr erbte Konstanze das Normannenreich in Sizilien und Süditalien.

Gab es denn außer der Eheschließung und der Krönung mit der Langobardenkrone weitere „italienische Momente“?

Ja, Italien wurde sogar zu einem Hauptaktionsfeld und Heinrich VI. avancierte zum Herrscher über das Königreich Sizilien. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg. Statt Konstanze und Heinrich VI. als Erben der normannischen Krone in Sizilien anzuerkennen, hatte dort eine stauferfeindliche Partei Tankred von Lecce zum Herrscher erhoben. Unmittelbar nachdem Heinrich VI. am 15. April 1191 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, zog er weiter Richtung Süden, um seine Herrschaft über Sizilien durchzusetzen. Eine Seuche, die bei der Belagerung von Neapel in Heinrichs Heer ausbrach, vereitelte jedoch das Vorhaben. Zwischenzeitlich fiel auch noch Konstanze in die Hände Tankreds. Erst als dieser 1194 starb, ergaben sich neue Chancen. Mit Flottenhilfe aus Genua und Pisa konnte sich Heinrich VI. in Süditalien durchsetzen. Seine Krönung am Weihnachtstag im prächtig geschmückten Palermo geriet zur stolzen Machtdemonstration und führte das Stauferreich auf den Höhepunkt seiner Geltung. Am Folgetag brachte Konstanze in Jesi bei Ancona einen Sohn, den späteren Kaiser Friedrich II. zur Welt.

An welche Höhepunkte seiner Herrschaft erinnern wir uns heute noch?

Einer der berühmtesten Gefangenen des gesamten Mittelalters befand sich ein Jahr lang in der Gewalt Heinrichs VI. Als der englische König Richard Löwenherz auf der Rückreise vom dritten Kreuzzug durchs Heilige Römische Reich zog, wurde er im Dezember 1192 von Leopold V. von Österreich gefangen genommen und gegen Lösegeld an den Kaiser übergeben. Die Festnahme geschah in Reaktion auf ein militärisches Bündnis, das Richard Löwenherz mit Tankred, Heinrichs VI. Gegner in Sizilien, im Herbst 1190 geschlossen hatte. Heinrich ließ den englischen König auf dem Trifels einkerkern und erst am 4. Februar 1194 gegen weit reichende Versprechungen wieder auf freien Fuß setzen.

Und wie endete seine Ära?

Bereits mit knapp 32 Jahren verstarb Kaiser Heinrich VI. 1197 in Messina, während der Vorbereitungen zum Kreuzzug. Kurz zuvor hatte er noch einen Aufstand normannischer Barone mit grausamer Härte niedergeschlagen. Angeblich soll Kaiserin Konstanze an der Auflehnung beteiligt gewesen sein. Deshalb kamen Gerüchte auf, sie hätte Heinrich VI. vergiftet. Zunächst wurde ihm ein christliches Begräbnis verweigert, da er im Zusammenhang mit der Gefangennahme des Richard Löwenherz exkommuniziert worden war. Erst Anfang Mai 1198 wurde er im Dom von Palermo, seiner Krönungskirche, ehrenvoll bestattet.

Welche Anekdoten werden über Kaiser Heinrich VI. erzählt?

Die Darstellungen Heinrichs VI. sind sehr zwiespältig. Als höchstrangiger Minnesänger ist er im Codex Manesse verewigt und gilt als Dichter kunstvoller Minnelieder, in denen er der Liebe huldigte. Andererseits haftet ihm der Ruf extremer Grausamkeit an. So soll er beispielsweise befohlen haben, dass einem Aufständischen in Gegenwart der Kaiserin eine glühende Krone auf dem Kopf mit eisernen Nägeln befestigt wurde.

 

Darstellung Heinrichs VI.

aus: Chronica Sancti Pantaleonis, Köln, Kloster St. Pantaleon, um 1237, Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 74.3 Aug. 2°.